Ratschläge aus der Hölle

Die @mamaOTR hat zur Blogparade aufgerufen und ich beteilige mich nur zu gerne. Das Thema Ratschläge aus der Hölle und Mommy Wars treibt mich um seit ich Mama bin. Aber nicht nur mich, denn auch @herzteddy zeigte mit ihren Kommentaren, dass wir wohl alle von unnötigen Ratschlägen betroffen sind.  

Eigentlich bin ich offen für Ratschläge und mag es auch wenn man mich und mein Verhalten mal kritisch hinterfragt. Was ich aber nicht leiden kann, ist es Rat von Leuten zu bekommen die ich kaum oder gar nicht kenne. Auch mag ich es nicht, wenn ich meine Sichtweise dargelegt habe und es trotzdem immer wieder erwähnt wird. Wir Menschen sind sehr unterschiedlich und so sind es auch unsere Sichtweise. Nicht jeder Rat muss angenommen werden! So und nun meine Top Ten:

1. Stillhäufigkeit:

Ich kann glücklicherweise stillen und tue dies nach ersten Schwierigkeiten auch sehr gerne. Dies führt jedoch zu schrägen Kommentaren. Mal stille ich zu viel und das Kind überfrisst sich, dann stille ich zu wenig und das Kind könnte verhungern. Schliesslich soll ich doch am Besten alle vier Stunden ansetzen. Nein keinen dieser Ratschläge habe ich berücksichtigt, denn ich stille bis heute nach Bedarf. Ausserdem kann sich ein Stillbaby nicht „überfressen“!

 2. Stillstreik:

Vor und während der Taufe war ich merklich gestresst. Das hat der Kleine bemerkt und ist in den Stillstreik getreten. Anstatt mich zu unterstützen laferte mich nahezu das gesamte Umfeld zu, dass der Muffinprinz sich nun abstillen würde. Blödsinn, denn ich merkte wie unglücklich mein Baby war und das hat nichts mit abstillen zu tun. Mit viel Liebe, Kuscheln und Geduld haben wir die Kurve gekriegt und das Stillen ist wieder so schön wie vorher.

3. Nächtliches Stillen nach drei Monaten:

Was wurde ich von einer Elternberaterin angemuffelt, weil ich den Kleinen manchmal (!!!) nachts noch stille. Da könne er ja nicht durchschlafen, er brauche das nicht, etc.. Nein der Kleine braucht Nachts wirklich keine Nahrung mehr, aber man darf doch noch Durst haben?! Das letze Mal als er Nachts trank, waren wir bei meinen Eltern und es war staubtrocken im Zimmer. Selbst ich hatte Durst als uns der Kleine um vier Uhr morgens weckte. Dann aufzustehen und Wasser für ihn zu holen, nein dafür bin ich ganz ehrlich zu faul.

4. Einschlafen beim Stillen:

Die gleiche Elternberaterin die das nächtliche Stillen bemängelte, meckerte dann auch über das einschlafen beim Stillen. Klar kleine Babys muss man wecken, damit sie genug Milch abbekommen, aber mein Kleiner ist bald 12 Monate alt. Es ging ja auch nicht darum, sondern dass der Muffinprinz so nicht durchschlafen würde. Er würde Nachts aufwachen und die Brust suchen, dann weinen weil er sie nicht finden könnte. Blödsinn, der Muffinprinz schläft durch! Ausserdem schläft er nicht bei jedem Stillen ein. Doch diese Frau verlangte allen ernstes, dass ich mein schlafendes Kind wecken und es dann erst ablegen sollte! WTF?!

5. Stillen mit Zähnen geht nicht:

Als ich den Ratschlag bekam, abzustillen weil ja jetzt bald die ersten Zähne kommen würde, schüttelte ich nur den Kopf. Mittlerweile sind acht Zähne da, gebissen wurde ich nie richtig und schmerzhaft ist es auch nicht.

6. Kommt das Baby, müssen die Katzen weg:

Kaum war ich schwanger, versuchten mir mehrere Leute die Katzen auszureden. Unsere beiden Mädels sind seit 8 bzw. 6 Jahren bei uns und haben ein Bleiberecht! Klar wenn der Muffinprinz stark allergisch reagieren würde, dann hätten wir ein Plätzchen für sie, aber zum Glück ist das nicht der Fall. Den meisten Ratgebern ging es aber gar nicht um Allergien, sie sahen in unseren Büsis kleine Babykillermaschinen…

7. Baby schreien lassen oder nicht:

Das Babyphone gibt an, ich will zu meinem eben erwachten Baby, werde jedoch vom Besuch zurückgehalten. „Lass ihn doch schreien, der beruhigt sich schon wieder!“ Äh. nein! Ich gehe aus Prinzip, wenn der Kleine weint. Er soll das Vertrauen haben, dass jemand kommt wenn er sich meldet. Nun denn, der selbe Besuch riet mir jedoch mein aus Trotz kreischendes Kind hochzunehmen. Das wiederum sehe ich nicht ein! Ich kann sehr gut unterscheiden ob jetzt getrotzt wird oder ob ich wirklich gebraucht werde!

8. Die Tragehilfe:

Ich bin eine richtige Tragemami! Hätte ich zwischen Kinderwagen und Carrier wählen müssen, ich hätte immer die Tragehilfe genommen. Doch mein Umfeld fand, ich a. quäle das Kind, weil es ja so eingequetscht ist oder b. das Kind völlig verwöhne. Ist mir aber wurscht, ich trage Junior bis heute gerne und viel.

9. Geniess die Zeit, solange das Baby noch Klein ist:

Ich mag diesen Ratschlag nicht. Erstens möchte ich jede Zeit geniessen, zweitens macht es einem ein schlechtes Gewissen. Als der Muffinprinz frisch auf der Welt war, war ich erst einmal überfordert und hatte anderes zu tun als zu geniessen! Ziemlich bald aber konnte ich den Kleinen geniessen, wenn auch immer wieder „genussfreie“ Tage kommen…

10. Arbeit vs. Hausfrau und Mutter:

Zurzeit bin ich Hausfrau / Mutter und damit sehr glücklich. Es stimmt für mich, was nicht heiss das es für Andere stimmen muss. Doch wenn man denkt, ein „nur“ Muttersein sei wie Ferien, dann hat man weit gefehlt. Es gibt Tage, da falle ich todmüde ins Bett und schlafe bevor ich auf der Matratze lande. Deswegen hatte ich alle Mühe mich zusammenzunehmen als folgender Spruch kam: „Dein armer Mann der gearbeitet hat, muss jetzt das Baby ins Bett bringen…“ Da möchte ich noch heute schreien, zumal mein Mann den Kleinen sehr gerne ins Bett bringt!

Abschliessend (und vor dem Fazit) ist zu sagen, dass wohl die meisten Mütter und Väter am Besten spüren, was ihr Kind braucht. Gestehen wir alle doch genau dies den anderen Eltern zu. Ich bin mir ziemlich sicher, dass wir uns so manchen Ärger ersparen würden! Nachfragen und zum nachdenken anregen sind oft besser als manch einer Ratschlag von oben herab.

Mein Fazit: Keep calm an carry on!

MQ

P.S.: Dies ist eine Triple Blogparade, also besucht bitte auch;

Mama on the rocks

und

Herzteddy

Viel Vergnügen! Ihr dürft euch natürlich auch gerne bis zum 29. September 2014 beteiligen. Wir würden uns über andere Erlebnisse sehr freuen!

 

Nachtrag:

Beim Brei machen für das Mittagessen, kam mir eine Situation in den Sinn, in der ich Feedback erhielt und es nicht negativ aufnahm, sonder es umsetzen konnte.

Wir waren bei Bekannten zu Besuch deren Tochter zwei Wochen jünger ist als der Muffinprinz. Die Kleinen spielten auf dem Boden, als die andere Mama eine Kiste Duplo ausschüttete. Der Muffinprinz erschrak ob des unbekannten Lärms erst, spielte dann aber fröhlich mit den bunten Steinen.

Mir schoss durch den Kopf das Duplos eigentlich ab 1 1/2 Jahren seien und musste dabei wohl ein fragendes Gesicht gemacht haben. Die andere Mutter meine nämlich zu mir:

“Die hat sie vom Gotti (Taufpatin) bekommen. Wir haben einfach die ungeeigneten Sachen rausgenommen.”

Damit war das Thema für sie erledigt und ich sah den grossen Spass der mein Sohn hatte. Ich fühlte mich nicht angegriffen, sondern sah es als ein Feedback das ich umsetzen konnte. Noch an diesem Abend holten wie die Duplos vom Speicher und der Muffinprinz hat sie mittlerweile zu seinen liebsten Spielsachen erklärt (soweit er das kann).

 

17 Comments on “Ratschläge aus der Hölle

  • Pingback: Mommy Wars braucht kein Mensch! - MomsOffice

  • Hallo Muffinqueen,

    schön, Dich kennengelernt zu haben:-) Deine Twitterbeiträge vor ein paar Tagen haben mich sofort angesprochen:-)

    Auch dieser Beitrag zu unserer Blogparade gefällt mir sehr gut. Ich habe das Gefühl, dass wir auf einer Wellenlänge sind. Gerade auch so eine Erlebnis, wie Du es in Deinem Nachtrag beschrieben hast, habe ich auch einige Male erlebt. Mit meinem ersten Sohn in Deiner Position und mit dem Zweiten, fünf Jahre später, in der Position Deiner Freundin;-)

    Ganz witzig finde ich, das wussten wir beide ja nicht, wir sind in unseren Sichtweisen doch unterschiedlich und könnten (wollen wir aber nicht!) den feinsten Mommy War vom Zaun brechen;-)!
    Warum? Ich habe beide Kinder nicht gestillt und Tragetücher und Co. habe ich auch links liegengelassen. Das erste hatte seine Gründe und den Kinderwagen habe ich vorgezogen, weil meine Jungs ziemlich schwere Brocken waren.

    Dafür stimme ich Dir in den Punkten 6, 7 und 10 ausnahmslos zu:-) Im Punkt 9 hast Du mich allerdings an der Breitseite erwischt. Diesen Spruch habe ich, das muss ich jetzt zu meiner Schande gestehen, selbst schon gebracht, mir dabei aber nichts Schlimmes gedacht.
    Es war aber auch nicht als Belehrung gedacht, sondern vielmehr eine Aussage des Selbstmitleides einer Mutter eines Vor- und eines Pupertierenden. Die beiden sind nur noch selten süß und putzig;-) Die Zeit ist einfach viel zu schnell vergangen!

    Lass Dich weiterhin nicht beirren und gehe nach Deinem Bauchgefühl. Das was sich richtig anfühlt, ist meistens das Beste für die Kinder:-) Das ist aber nur meine Meinung;-)

    Ganz liebe Grüße
    Sam

    Reply
    • Joana Post author

      Hallo Sam,

      merci für deinen Kommentar. Natürlich brauchen Mütter mit unterschiedlichen Ansichten nicht gleich einen Mommy War auszulösen! Wir sind doch alles verschiedene Menschen mit ihren Facetten und Eigenschaften, was doch super so ist. Ich verstehe wirklich nicht warum wir andere Lebensmodelle nicht einfach tolerieren können. Man muss sie nicht gleich zu den eigenen Grundsätzen machen. Ich trage bspw. meinen kleinen Brocken (er ist mit 4,3 kg zur Welt gekommen und wiegt heute 10kg) gerne herum, verstehe aber jede Kinderwagenmami. Warum soll ich den intervenieren, wenn Mama und Kind glücklich sind? Das ist die Hauptsache!

      Zu Punkt 9: Ja ich weiss, der Spruch ist eigentlich nicht böse gemeint. Aber ich habe ihn soooo oft gehört, ich halts fast nicht mehr aus ;) Es ist wie damals in der Schule, als die Mutter immer sagte, ich solle die Zeit geniessen. Ich war nie gerne in der Schule und möchte alles nur nicht wieder Teenager sein ;)

      Ich finde wir Eltern sollte alle öfters mal nach dem Bauch gehen! Denn in der Regel leitet der uns schon einigermassen richtig . Aber wir sollten auch die Bauchgefühle anderer tolerieren!

      Liebe Grüsse
      Jojo

      P.S.: Ich freue dich nun in meiner TL zu haben, denn ich finde auch das wir echt auf der gleichen Wellenlänge sind.

      Reply
  • Pingback: Bye bye Schwangerschaft, welcome MommyWars | Mutter & Söhnchen

  • Tolle Punkte hast Du zusammengestellt! Mir ist das nie so aufgefallen, aber es stimmt schon: Alle sagen “Geniess die Zeit, solange das Baby noch klein ist”. Ich konnte meine Grosse am Anfang auch nicht “geniessen”, weil ich viel zu überfordert war. Vielmehr geniesst man eben jeden Moment, so wie es eben geht. Aber ich denke, der Spruch ist nicht böse gemeint, sondern bringt mehr das eigene Bedauern zur Sprache, weil man selber eben kein Baby mehr hat und das vermisst. Das Gefühl finde ich legitim (auch wenn der Spruch vielleicht nervt).
    Was sich in Deinem Post ganz toll herauskristallisiert: Du lässt Dir kein X für ein U vormachen, sondern entscheidest und handelst intuitiv und instinktiv als Mutter. Dir muss keiner sagen, was Du zu tun und zu lassen hast, das finde ich klasse. Du gehst Deinen Weg, und so wie Du (und natürlich Dein Mann) das machst, ist alles gut. :-)

    Reply
    • Joana Post author

      Danke vielmals für deinen Kommentar liebe Mama on the rocks! Klar sind viele Sprüche und insbesondere der mit “Geniesse die Zeit” nicht böse gemeint, aber manchmal ist es einfach zu viel ;) Aus deinem Kommentar kann ich herauslesen, dass du genau verstanden hast, was ich mit meinem Beitrag ausdrücken wollte. Das freut mich sehr!

      Reply
  • Pingback: Mein Kind kann schon… oder, echte Freunde batteln sich nicht | Lauschvater

  • Pingback: Das Bloggen der Anderen (15) | Familienbetrieb

  • Pingback: Von Müttern, die sich gegenseitig das Leben schwer machen: Mommywars! | Ich lebe! Jetzt!Ich lebe! Jetzt!

  • Pingback: Blogparade: Mommy wars aus Vatersicht

  • Pingback: Blogparade “Schluss mit den Mommy Wars” | Mamis Blog

  • Pingback: 100 Tage Chaos² | Chaos²

  • Pingback: Geständnisse einer Super-Mutti | Chaos²

  • Pingback: Gib "Mommy wars" keine Chance! - Gegen Elternfaschismus auf Reisen - ReisemeistereiReisemeisterei

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>