(Meine) Wahrheit übers Stillen

Stillen hat sich ja mittlerweile zu einer Kampfzone entwickelt, wo man wunderbar ein Mommy Wars starten kann. Mütter die nicht stillen, werden als Rabenmütter degradiert, Stillmamis machen es gut aber bitte ja nicht in der Öffentlichkeit! Wie man es macht, man macht es falsch. Wie so oft im Leben einer Mutter!

Warum wir Mütter nichts besseres zu tun haben, als gegenseitig aufeinander rumzuhacken steht auf einem anderen Blatt und soll nicht Thema dieses Blogbeitrags sein, aber ich finde es schade!

Nun denn, ich möchte also was übers Stillen schreiben. Ich tue nämlich genau dies seit fast 10 Monaten, 5 1/2 davon voll und ich tue es gerne! Aber ich bin deswegen nicht eine bessere Mama als die, die ihren Baby die Flasche geben (aus welchen Gründen auch immer sie dies tun!). 

Anfangs wusste ich nicht ob ich stillen kann, da ich einen Kaiserschnitt hatte wegen eines Geburtsstopps. Ausserdem hatte ich viel Blut verloren, was es auch nicht gerade erleichterte. Dennoch halfen mir die Wochenbettbetreuerinnen wo sie nur konnten. Ich legte den Kleinen an und das Kolostrum floss. Als ich nach der zweiten Nacht der Entbindung erwachte, da traf mich fast der Schlag. Über Nacht war mein B-Körbchen auf ein E angeschwollen und ich fragte mich ernsthaft, ob ich irgendwie Nachts Besuch vom Schönheitsdoc bekommen hatte… 

Das Anlegen schmerzte, ich fragte mich wie ich das bloss ein Jahr durchhalten sollte. Meine Bedenken schilderte ich einer mitfühlenden Krankenschwester und sie brachte mir die Stillhütchen und spezielle Wundpflaster für die lädierten Brustwarzen. Das half mir ungemein, das Stillen wurde von der schmerzhaften Notwendigkeit zu einer wunderbaren Möglichkeit meinen Sohn besser kennen zu lernen. 

Leider ging dies die ersten Tage nicht in meinem Zimmer, aber dazu werde ich in einem späteren Blog noch kommen. Ich flüchtete also in eines der Stillzimmer der Station und übte das anlegen. Mein Mann beobachtete dies mit einer Bewunderung die ich noch nie bei ihm gesehen hatte. 

Der Babyblues kam und ging im Spital, ich konnte mittlerweile in Ruhe in meinem Zimmer stillen und tat dies mit wachsender Freude. Nach fünf Tagen ging es dann mit etwas Angst nach Hause. 

Meine Wochenbetthebamme übte mit mir neue Anlegetechniken zu Hause, ich lernte im liegen zu stillen. Das war eine Errungenschaft die sich in den kommenden Nächten bezahlt machte, konnte ich so weiterschlafen beim nächtlichen anlegen. Der kleine Mann war trinkfreudig und so stillte ich nach etwa vier Wochen bis zu 12 Mal am Tag. Anlegen nach Bedarf, dass machte den Muffinprinz glücklich und satt. Er nahm zu und war ein properes, zufriedenes Baby. 

Dann wurde er 3 Monate alt und erkältete sich leicht. Trinken tat weh und aus den vormaligen 30 Minuten anlegen wurden 5 Minuten Stilletappen mit Schreianfällen. Besuch beim Kinderarzt, aber alles ist in Ordnung ausser dem Halsweh. Auch nachdem der Kleine wieder gesund ist, will er partout nicht mehr als 10 Minuten trinken. Ich suche den Kontakt zu meiner Stillberaterin, sie kommt und erklärt mir, dass der Kleine nun effektiver saugen kann. Und tatsächlich, der Muffinprinz nimmt zu und ist quitschfiedel wie eh und je. Nur eines ging nicht mehr; das stillen mit Hütchen. Deshalb liessen wir es ab diesem Zeitpunkt weg. 

Kaum haben wir uns an den neuen Stillrhythmus gewöhnt, lief wieder alles wie geschmiert. Ich stillte jetzt nur noch kurz, dafür aber effektiv. Ab und an gab es wieder Tage an denen ich nur noch stillte, aber ich machte es gerne. Mein Baby und ich, wir waren und sind ein eingespieltes Team. 

Tja und dann kam der Tag an dem ich den Kleinen nicht mehr alleine ernährte. Der Start der Beikost. Ich weinte und freute mich zeitgleich, war es doch ein Meilenstein für meinen Sohn. Mit 5 1/2 Monaten mampfte er gleich eine halbe Schale Möhrenbrei weg und war höchst zufrieden. Seither ist er ein grosser Esser, hat mittlerweile drei Mahlzeiten und freut sich über jeden Löffel. 

Unsere Stillbeziehung veränderte sich mit dem Start der Beikost anfangs nur gering. Der Kleine trank immer noch gleich oft an der Brust. Der zweite Brei ersetzte eine Trinkmahlzeit und mit dem Dritten wurde alles anders. Nun sind wir bei einem Rhythmus von fünf bis sechs Mal trinken über den Tag und die Nacht verteilt. 

Soweit zu meiner Stillvergangenheit und nun ein paar Dinge die mir diesbezüglich unter den Nägeln brennen:

Stillen ist nicht immer schön! 

Der Muffinprinz hat auch schon mal kräftig zugebissen und ich wäre dann am liebsten an die Decke gegangen. Einen Milchstau hatte ich bereits zweimal und auch das macht keinen Spass, besonders da dieser bei mir immer von einer Migräne begleitet wird. Am Anfang tropft man sich durch die dicksten Stilleinlagen und es riecht wirklich immer alles nach Milch, selbst wenn man frisch geduscht ist. 

Stillen tut man nach Bedarf!

Was mich Leute angemault haben, dass ich doch weniger oder nach Zeitplan stillen soll… Mal ehrlich, wer hat schon mal einen Naturfilm gesehen wo eine Löwin mitten bei der Jagd feststellt das sie nun ihre Junge zu säugen hat? Das Baby gibt in der Regel den Ton an, es weiss schon wann es Hunger hat!

Stillen ist ein inniger Moment zwischen Mutter und Kind!

Stimmt schon, aber manchmal eben auch nicht. Irgendwann hat der Muffinprinz gerafft wie man einen BH schnippst, schon ganz Mann wurde das ausgiebig beim stillen geübt… Mit der Zeit tut das Weh! Oder plötzlich ist was unglaublich interessant und man muss den Kopf ruckartig auf die andere Seite reissen, ohne dabei die Brust loszulassen… AUA! Manchmal muss man auch auf die  Brust von Mama hauen, vielleicht kommt die Milch dann schneller?! Gab es und gibt es immer mal wieder. Stillen ist wunderschön, aber in solchen Momenten ist es mehr eine Geschicklichkeitsübung…

Stillen tut man nur kleine Babys!

Öhm mein Sohn ist mit 4,3 kg auf die Welt gekommen, so wirklich klein war er da auch nicht mehr. Nun denn ich stille solange es für uns Beide passt!

Wie war das bei euch beim Stillen so? Und die Mamis die ihren Babys die Flasche geben, kenn ihr auch so lustige Begebenheiten rund ums trinken? Ich würde mich über Kommentare von allen Seiten freuen!

Grüsse,

MQ

1 Comments on “(Meine) Wahrheit übers Stillen

  • Vielen Dank für deinen Beitrag. Finde Deine Einstellung super. Wir haben irgendwann gemerkt die Stillfrage nach unseren Regeln zu lösen und nicht nach den Regeln der anderen. Die Eltern und beim Stillen im besondern die Frau entscheidet ob und wie sie stillen möchte. Wenn man seinen Weg gefunden hat muss mal lernen zu dieser Entscheidung zu stehen und sich nicht weiter beeinflussen zu lassen. Werde bald unsere Erfahrungen übers Stillen in meinem Blog aufschreiben. Danke für die Inspiration.

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